Basismodell für Innovation-Communities

27 Jan
27. Januar 2013
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Communities, die unentgeltlich teilnehmende Mitglieder mit Expertenwissen und spezifischen Fähigkeiten in der Domäne der Community enthalten und sich produkt- oder themenspezifischen Problemlösungen und Neuentwicklungen widmen, definieren wir als Innovation-Communities.

Produkt- oder themenbezogenen Innovation-Communities lassen sich über drei Dimensionen differenzieren. Die Dimension des Betreibers unterscheidet zwischen von Unternehmen betriebenen und privat von Anwender betriebenen Online-Communities. Die zweite Dimension betrifft das Objekt, das in der Community diskutiert oder entwickelt wird. Dabei kann es sich um einen tangiblen (physischen) oder intangiblen (nicht-physischen) Gegenstand handeln. Die dritte Dimension bezieht sich auf das Medium, welches überwiegend zum Informationsaustausch und zur Zusammenarbeit genutzt wird. Hier ist zwischen Online- und Offline-Communities zu unterscheiden. Dieser Beitrag umfasst für die erste und zweite Dimension jeweils beide möglichen Ausprägungen, in Bezug auf die dritte Dimension werden Communities berücksichtigt, die das Web als zentrales Austausch- und Kooperationsmedium nutzen.

Die bereits beschriebenen zentralen Charakteristiken von Online-Communities lassen sich für Innovation-Communities weiter spezifizieren und in sieben Merkmalen zusammenfassen. Die Abbildung verdeutlicht den Zusammenhang der Charakteristiken und visualisiert das Basismodell.

  1. Mitglieder

Nach den Aktivitäten (Form der Beteiligung) und dem Besucherverhalten (Häufigkeit der Besuche) in Innovation-Communities lassen sich verschiedene Mitgliedertypen unterscheiden. Das Spektrum reicht von treibenden Innovatoren und Mitgliedern, die das Geschehen in der Community immer aktiv begleiten, über Mitläufer sowie temporäre Teilnehmer (Touristen) bis hin zu reinen Beobachtern (Lurker), die als Trittbrettfahrer agieren und schließlich zu völlig inaktiven Mitgliedern („Karteileichen“). Häufig verändern Mitglieder mit der Zeit ihr Verhalten und wechseln so zwischen den unterschiedlichen Typengruppen innerhalb der Innovation-Community.

Der Betreiber der Online-Community kann selbst die Rolle eines Innovatoren ausüben, wobei dieser vor allem bei von Unternehmen betriebenen Plattformen meist nur als Moderator agiert.

  1. Zentrales Thema (Hobby, Produkt)   

Ein zentrales Thema wie ein Hobby oder ein Produkt, ist der Kern des gemeinsamen Interesses der Mitglieder und der Hauptbeweggrund für die Teilnahme an der Online-Community. Die wachsende Wissensbasis zum Thema ist die Summe der nutzergenerierten Inhalte in Form von Erfahrungen, Informationen, Ideen oder Anregungen, die durch einen kontinuierlichen Austauschprozess zwischen den sich aktiv beteiligenden Mitgliedern einfließen.

  1. Motivation, Bedürfnisraum, Lösungsraum

Die Lead User innerhalb der Gruppe von Innovatoren (tlw. auch Aktivisten) verfügen über Informationen, um neue Bedürfnisse zu formulieren, die über auf dem Markt verfügbare Angebote hinausgehen. Diese Gruppe steuert mit ihren Lösungsinformationen relevante und neue Ideen bei und definiert die Größe des Lösungsraums in der Innovation-Community. Die Motivation der Mitglieder, sich aktiv zu beteiligen, vor allem die der Innovatoren, bestimmt zentral wie der Lösungsraum genutzt wird und sich die gesamte Innovation-Community entwickelt. Es liegt Open Motivation vor.

  1. Vertrauen der Mitglieder

Vertrauen der Mitglieder in das Erzielen einer bestimmten Problemlösung, in neue Erkenntnisse und Verbesserungen zu thematischen Inhalten oder in Lerneffekte innerhalb der Innovation-Community kann wichtige soziale Anreize beisteuern.

  1. Kommunikation über technische Plattform im Internet

Die Kommunikation erfolgt über eine technische Plattform, so wie allgemein für Online-Communities als zentrale Charakteristik beschrieben.

Toolkits bieten Mitgliedern eine konkrete Gestaltungshilfe zur Umsetzung der lokalen Bedürfnisinformationen im Rahmen des Lösungsraums. Je einfacher Toolkits zu bedienen sind und je mehr sie die Umsetzung der Vorstellungen von Mitgliedern unterstützen, desto stärker können sie selbst als Anreiz für eine aktive Beteiligung wirken. Toolkits sind im weitesten Sinne Bestandteil der technischen Plattform.

  1. Regeln und Community Kultur

Neben allgemeinen Verhaltensregeln (siehe Beitrag zu zentralen Charakteristiken von Online-Communities) entwickeln Innovation-Communities spezielle Regeln und Normen, die Mitglieder binden und die innere Integrität stärken. Wesentlich ist der freie Zugang.

  1. Anreizstruktur

Anreize können sowohl aus der Online-Community selbst entstammen als auch von außen gesetzt werden. Auch Transaktionskosten können, abhängig von der Höhe, Anreize darstellen oder hemmend wirken. Unter diese fallen alle Kosten die im Rahmen von Mitgliedschaft, Beteiligung und Austauschprozessen für ein Mitglied entstehen können, bspw. Zugangskosten, Informationsbeschaffungskosten, Vereinbarungskosten oder Anbahnungskosten.

Vgl. Janzik (2011), Motivanalyse zu Anwenderinnovationen, S.24ff, S.84ff

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